Mutproben oder wie Hunde lernen über sich hinauszuwachsen

Um zu verstehen, was für den Hund aufregend, unheimlich oder sogar angstauslösend ist, müssen wir als Hundehalter zunächst erstmal verstehen, wie Hunde uns mitteilen, wie sie sich fühlen. Denn wenn Angst oder Unsicherheit unbemerkt bleiben, kann man dem Hund keine Unterstützung bieten und läuft Gefahr ihn immer wieder in Situationen zu bringen, mit denen er (noch) nicht umgehen kann. Ich möchte hier einige der Signale aufführen, die der Hund in Stresssituationen zeigen kann. Es kann sein, dass er eins oder mehrere davon zeigt. Umso mehr Stresssignale der Hund zeigt, umso deutlicher können wir seinen Zustand erkennen. 
Stresssignale bei Hunden können u.a. sein:

>> Erweiterte Pupillen
>> Freeze – Einfrieren in der Bewegung
>> Schnelle Atmung
>> Hecheln trotz kühler Umgebung
>> Eingeklemmte Rute
>>Angelegte Ohren
>> Hektische Bewegungen – Hin und her laufen
>> Starke Unruhe oder auch Lethargie

Wichtig ist es beim Ausdrucksverhalten, die rassespezifischen Unterschiede der Hunde zu berücksichtigen. So trägt beispielsweise ein Windhund seine Rute im Vergleich zu einem Jack-Russel-Terrier sehr weit unten. Würde der Jack-Russel-Terrier die Rute so halten, wie der Windhund, ist höchstwahrscheinlich Angst im Spiel. Auch sollte man am besten, das gesamte Display (alle Möglichkeiten des Ausdrucksverhaltens) bei der Einschätzung der Emotionen des Hundes berücksichtigen. 


Hunde können verschiedene Ängste haben bzw. entwickeln. Zum einen Umweltängste wie beispielsweise Unsicherheit im Umgang mit fremden Umgebungen, Gerüchen und Geräuschen. Soziale Ängste im Umgang mit Menschen, Hunden und anderen Tieren und/oder Angst vor unbekannten Dingen, dabei handelt es sich um die sogenannte Neophobie. 
Körperliche Symptome der Angst können beispielsweise erhöhte Aufmerksamkeit, erhöhte Muskelspannung, schnellere und flachere Atmung sein. 
Beim Einschätzen der Emotion des Hundes ist es von Vorteil, zu versuchen, die Welt aus Hundeaugen zu betrachten und vor allem das eigene Einfühlungsvermögen zu schulen. Sollte der Hund beispielsweise inne halten und in eine bestimmte Richtung schauen, kann man als Hundehalter versuchen, herauszufinden, was er dort sieht/wahrnimmt. 


Kleine Mutprobe für Smilla & Lilly

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Für uns alltägliche und völlig vertraute Geräusche wie beispielsweise das Quietschen eines Fahrrads, Heckenscheren, kreischende Kinder u.v.m. können für den Hund eine große Herausforderung darstellen und unter Umständen Angstauslöser sein. Auch optisch wahrnehmbare Dinge, die für uns selbstverständlich sind wie beispielsweise Gullideckel, Menschen mit Hüten oder Mülltonnen, können Hunde erschrecken, besonders, wenn sie noch keinerlei Erfahrungen damit gemacht haben. Wenn der Hund einer Anforderung nicht gewachsen ist, ihn etwas verängstigt und/oder er einen Kontrollverlust erlebt, so entsteht negativer Stress (Distress), der schädlich für Körper und Geist ist. Wenn Phasen des Distress immer wiederkehren und/oder länger anhalten, dann kann der Hund psychisch sowie körperlich erkranken. Die Magenschleimhautentzündung bei Hunden wird beispielsweise zu einer typischen Stresserkrankung gezählt. Nach einer Stressreaktion braucht der Hund Zeit für den Stressabbau und die Wiederherstellung der Homöostase, der Aufrechterhaltung eines gegebenen oder geforderten inneren Gleichgewichts. Um das Erlebte zu verarbeiten ist es wichtig, dass der Hund nicht nur döst, sondern richtig tief schläft, ein geschützter Platz (in der Wohnung), wo der Hund auch wirklich Ruhe finden kann und auch nicht gestört wird, ist hierbei sehr wichtig für sein Wohlbefinden. Auch die konditionierte Entspannung kann ein wertvolles Werkzeug sein, um dem Hund bei der Entspannung zu helfen, sowie die Gestaltung des Umfelds in dem potenzielle Angstauslöser zunächst minimiert werden. 


Um in seiner Umwelt zurechtzukommen spielt die Habituation (Gewöhnung) eine ganz entscheidende Rolle. Um den Hund an verschiedenste Dinge der belebten und unbelebten Umwelt gewöhnen zu können, muss er sich jeder Zeit noch im grünen Bereich befinden, sich also stets sicher fühlen. Man kann den Hund während einer Erkundung stimmlich loben, wenn ihn das von seiner Erkundung nicht zu sehr ablenkt. Auch das Markerwort oder der Click des Clickers kann in dem Moment Anwendung finden, in dem sich der Hund mit verschiedenen Dingen beschäftigt. Bei dieser Variante, weiß der Hund genau, wofür er das Markerwort und danach eine Belohnung erhält. Am besten man fängt mit dem Gewöhnungstraining mit viel Abstand zum Objekt/Mensch/Tier an, nähert sich langsam und gibt dem Hund auch die Möglichkeit die Situation zu verlassen, falls es ihm zu viel wird. Hierbei ist Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Bei der Gewöhnung an neue Orte, lässt man den Hund alles in Ruhe erkunden und kann ihn dabei falls nötig verbal und oder über die Gabe von Leckerchen unterstützen. 


Verschiedene Möglichkeiten dem Hund Sicherheit zu geben

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Bei der Gewöhnung an Menschen, ist die Leckerchenspur eine schöne Variante. Der Mensch, um den es gehen soll, legt eine Leckerchenspur, indem er sich vom Hund wegbewegt. Der Hund kann den Menschen im Auge behalten und es wird zudem Distanz aufgebaut. Wichtig ist, dass der Hund am Ende nicht plötzlich vor dem Menschen steht, sondern, dass genügend Abstand eingehalten wird und der Hund sowie sein Trainingspartner Mensch jederzeit sicher sind. 
Es gibt auch zahlreiche Spiele, die dem Hund ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und damit positive Erfahrungen mit verschiedenen Dingen und Geräuschen geben. Es hat sich gezeigt, dass Hunde, die laute Geräusche selbst erzeugen, besser damit zurechtkommen als wenn sie von einer externen Quelle stammen. Ein Beispiel wäre eine PET-Flasche (Plastikflasche) in die man Löcher schneiden kann, Leckerchen hineinsteckt und dem Hund zur Beschäftigung gibt. Auch Parcours aus unterschiedlichen Gegenständen, die der Hund erkunden und/oder überlaufen kann eignen sich sehr gut, um dem Hund Sicherheit zu geben. 
Eine gute Mensch-Hund-Beziehung basiert auf einer klaren Kommunikation, Mitgefühl, Fairness, Konsequenz und Verständnis. Gewalt, Druck oder körperliche Strafen haben im Training und im Miteinander nichts zu suchen. Wenn man als Hundehalter „einen schlechten Tag“ hat, sollte man auf das Training mit dem Hund vorübergehend verzichten, um ihm gegenüber nicht ungerecht zu werden. Das Training über Positive Verstärkung ist die beste Möglichkeit im Umgang mit Tieren. 
Beim SAVE-Training von Viviane Theby wird die eigene Lösungsfindung des Hundes gefördert und er lernt in Stresssituationen alternatives Verhalten zu zeigen. So könnte ein Hund, der beispielweise bisher immer andere Hunde verbellt hat, lernen sich vom Auslöser abzuwenden. Ähnlich dem SAVE-Training gibt es auch das BAT-Training von Grisha Stewart, bei dem in BAT 2.0 darauf geachtet wird, dass der Hund sich zu jeder Zeit im Training im grünen Bereich befindet und in Ruhe sowie seiner eigenen Geschwindigkeit die Umwelt kennenlernen darf.


Konditionierte Entspannung, Minimierung der Angstauslöser, Erkundungsspaziergänge, Parcours aus verschiedenen Gegenständen, Habituation, Positive Verstärkung von Beschäftigung mit der Umwelt, schrittweises Heranführen an belebte und unbelebte Dinge des Alltags, SAVE-Training, BAT-Training, Einfühlungsvermögen, Ruhe im Hundealltag und verschiedene „Mut- fördernde“ Spiele sind nur eine Auswahl von Möglichkeiten, die man als Hundehalter hat, um seinen Hund bestmöglich auf den Alltag und seine kleinen und großen Herausforderungen vorzubereiten oder ihm seine Ängste zu nehmen. Um im Training keine Fehler zu machen und genau zu wissen was man tun sollte, empfehle ich eine(n) gute(n) Hundetrainer/in, der/die auf Basis der positiven Verstärkung arbeitet oder Online-Training in diesem Bereich. 

Ich hoffe, ich konnte dir und deinem Hund eine kleine Hilfe sein und wünsche dir alles Liebe! :)

Quellenangaben: Buch:"Leben will gelernt sein" von Wibke Hagemann & Birgit Laser / Die Hundetrainerausbildung der Tierakademie Scheuerhof von Viviane Theby


Du möchtest tiefer in die Welt der Hunde eintauchen? Dann kann ich dir folgende Webinare empfehlen:

*Stress beim Hund

Anne Bucher ist Hundetrainerin (CumCane®) und unterstützt Hundehalter auf dem Weg in einen gelassenen Alltag mit Hund und hilft ihnen, Herausforderungen – besonders im Bereich der Verhaltensprobleme von Aggression bis Trennungsstress – zu überwinden. Sie referiert im D-A-CH-Raum für Trainer und Hundehalter, sowie für Tierärzte zu Themen rund um Verhaltensproblemen und Training.

*Hund-Hund-Aggression

Dein Hund  rastet aus, wenn er auf Artgenossen stößt und du wünscht dir einfach (wieder) entspannt mit deinem Hund spazierengehen zu können? Dann könnte dieses Webinar mit Barbara Schöning das richtige für dich sein.  Barbara Schöning ist u.a. Dr. med. vet. MSc und PhD der Uni Southampton und Bristol, Fachtierärztin für Verhalten, Fachtierärztin für Tierschutz mit der Zusatzbezeichnung für Verhaltenstherapie. 

*Hibbelhunde verstehen & trainieren

 Wuselige Hunde, aufgeregtes Verhalten, schnelles Hochfahren und die schlechte Fähigkeit zur Entspannung zeichnen Hibbelhunde aus. Sie können ein wahnsinnig machen und provozieren ungewollt oft Ärger. Maria Rehberger erläutert Hintergründe und Ursachen für hibbeliges Verhalten und gibt praktischeTipps für den Alltag. 

 Maria Rehberger führt südlich von München die Hundeschule Easy Dogs.

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